MD-Prüfung im ambulanten Pflegedienst: die Hygiene-Checkliste
Von Sandra Hinzke, veröffentlicht am , aktualisiert am
Der Medizinische Dienst prüft im ambulanten Dienst nicht die Hygiene an sich, sondern die Nachweise dafür: einen auf den Dienst zugeschnittenen Hygieneplan, Dosiertabellen, dokumentierte Unterweisungen und eine benannte zuständige Person. Wer diese 4 Punkte schriftlich vorlegen kann und dessen Team erklären kann, was es tut, geht vorbereitet in die Prüfung.
Was prüft der Medizinische Dienst wirklich?
Die Qualitätsprüfung im ambulanten Dienst läuft nach den Qualitätsprüfungs-Richtlinien des Medizinischen Dienstes. Hygiene ist dort kein eigenes großes Kapitel, sondern taucht an vielen Stellen auf: bei der Wundversorgung, beim Umgang mit Medikamenten, bei der Körperpflege, bei Pflegehilfsmitteln und in der Einrichtungsprüfung.
Der Prüfer kommt angekündigt, in der Regel am Vortag. Er schaut in Unterlagen, begleitet Touren und spricht mit Mitarbeitenden. Was er dabei sucht, ist selten Schmutz. Er sucht die Verbindung zwischen dem, was das Team tut, und dem, was aufgeschrieben ist.
Welche Unterlagen müssen vorliegen?
Diese 6 Dokumente sollten griffbereit sein, bevor der Termin ansteht:
- Hygieneplan, schriftlich, datiert, unterschrieben, auf diesen Dienst zugeschnitten.
- Dosiertabellen für jedes eingesetzte Desinfektionsmittel, mit Konzentration und Einwirkzeit.
- Unterweisungsnachweise mit Datum, Inhalt, Referentin und Unterschriften aller Teilnehmenden.
- Benennung der zuständigen Person für Hygiene, schriftlich.
- Reinigungs- und Desinfektionsplan für Büro, Lager und Fahrzeuge.
- Verfahren bei meldepflichtigen Erregern, also was bei MRSA, Noroviren oder Skabies konkret passiert.
Fehlt eines davon, entsteht eine Lücke, die sich im Gespräch nicht mehr schließen lässt. Ein Plan, der erst am Prüfungstag gedruckt wird, ist erkennbar.
Warum reicht eine Mustervorlage nicht?
Musterhygienepläne aus dem Internet oder vom Verband sind als Rohbau brauchbar. Als Nachweis fallen sie durch, sobald jemand genauer hinsieht. Typische Stolperstellen:
- Im Plan steht ein Desinfektionsmittel, das der Dienst gar nicht einsetzt.
- Der Plan beschreibt eine Station mit Schleuse, obwohl in Wohnungen gearbeitet wird.
- Es werden Räume erwähnt, die es im Büro nicht gibt.
- Die Verantwortlichkeiten sind nicht mit Namen belegt.
Der Prüfer fragt nicht, ob ein Plan da ist. Er fragt, ob dieser Plan zu diesem Dienst gehört.
Was ist in der Häuslichkeit anders als in der Klinik?
In der Wohnung gibt es keine Isolierung im klassischen Sinn. Angehörige sind Teil des Haushalts, nicht Teil des Personals. Materialien gehören der versorgten Person und bleiben dort. Das verändert die Regeln:
- Reihenfolge der Tour ersetzt räumliche Trennung. Wer besiedelt ist, wird ans Ende gelegt.
- Die Tourentasche ist der kritische Punkt. Sie steht auf fremden Flächen, wird selten gereinigt und ist bei fast jeder Prüfung ein Thema.
- Kittelflasche und Einmalhandschuhe müssen am Mann sein, nicht im Auto.
- Aufbereitung von Pflegehilfsmitteln wie Absauggerät oder Inhalator passiert in der Wohnung, mit den Mitteln, die dort vorhanden sind. Genau das muss im Plan stehen.
Wie bereitet man sich in 14 Tagen vor?
Ein realistischer Ablauf für einen Dienst mit 10 bis 25 Mitarbeitenden:
Tage 1 bis 3, Bestandsaufnahme. Begehung von Büro, Lager, Fahrzeugen und mindestens 2 Tourentaschen. Alle vorhandenen Unterlagen auf einen Tisch. Daraus entsteht eine Mängelliste mit Prioritäten.
Tage 4 bis 8, Papiere. Hygieneplan auf den Dienst umschreiben, Dosiertabellen für die tatsächlich eingesetzten Mittel erstellen, Aushänge für Lager und Büro, Verfahrensanweisungen für die 3 häufigsten Erreger.
Tage 9 bis 11, Team. Unterweisung, möglichst in 2 Gruppen, damit die Touren laufen. Inhalte: Händehygiene, Tourentasche, Schutzausrüstung, Umgang mit besiedelten Personen. Am Ende unterschreiben alle den Nachweis.
Tage 12 bis 14, Nachkontrolle. Stichproben: Ist die Kittelflasche da? Hängt die Dosiertabelle? Kennt die neue Kollegin den Plan? Was fehlt, wird sofort nachgezogen.
Dieser Ablauf ist das Paket Prüfungsvorbereitung in 14 Tagen für 890 EUR netto. Geschuldet sind die genannten Leistungen; das Ergebnis einer Prüfung hängt von der Umsetzung im Dienst und von der prüfenden Stelle ab, eine bestimmte Bewertung wird nicht geschuldet. Wer nur wissen will, wo er steht, nimmt den Prüfungs-Check für 290 EUR netto. Alle Preise verstehen sich zuzüglich 19 % Umsatzsteuer.
Was tun, wenn die Prüfung schon nächste Woche ist?
Dann gilt eine andere Reihenfolge. Zuerst die Unterlagen, die schlicht vorhanden sein müssen: Hygieneplan, Dosiertabellen, Unterweisungsnachweis. Danach eine kurze Teamunterweisung, auch wenn sie nur 45 Minuten dauert. Erst dann der Feinschliff.
Ein Dienst, der einen passenden Plan hat und dessen Team erklären kann, warum es etwas so macht, ist auf die Prüfung vorbereitet. Ein Dienst mit perfekt sauberem Lager und ohne Papiere nicht.